Hernienchirurgie

Bei einer Bauchwandhernie (auch Bauchwandbruch genannt) drücken sich Eingeweide durch eine Schwachstelle der Bauchwand. Eine Bauchwandhernie kann verschiedene Ursachen haben. Eine geschwächte Bauchwandmuskulatur oder Bindegewebsschwäche spielen ebenso eine Rolle wie erhöhter Druck im Inneren des Bauches. Dieser kann durch schweres Tragen und Heben, chronisches Husten und Niesen oder anstrengendes Pressen beim Stuhlgang und durch Übergewicht hervorgerufen werden. Bei all diesen Gelegenheiten entsteht dann zusätzlicher Druck auf die Bauchwand, der langfristig zu einer Hernie in der Bauchwand führen kann. Es bildet sich dann eine von außen sicht- und tastbare Vorwölbung, z.B. in der Leiste oder am Nabel.

Es gibt aber auch angeborene Bauchwandhernien, v.a. im Bereich der Leiste und des Nabels. Die Nabelhernie (auch Nabelbruch genannt) des Kleinkindes ist übrigens die einzige Hernienform, die spontan, d.h. ohne Operation heilen kann. Die drei häufigsten Arten von Bauchwandhernien sind:

  • Leistenhernie
    • Eine natürliche Schwachstelle der Bauchwand befindet sich im Leistenkanal. Durch diesen Kanal verlaufen beim Mann der Samenleiter und die Blutgefäße für den Hoden, bei der Frau das runde Mutterband. Etwa 25 % der Männer und 3 % der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Leistenhernie. Schätzungen zufolge wurden im Jahr 2008 weltweit etwa 20 Millionen Leistenhernien operiert. In Deutschland werden derzeit zwischen 250 und 300.000 Leistenhernien (genaue Zahlen existieren nicht) operiert. Die Operation der Leistenhernie (auch Leistenbruch genannt) ist die häufigste allgemeinchirurgische Operation bei Männern überhaupt.
  • Nabelhernie
    • Eine Nabelhernie, auch Umbilikalhernie oder Nabelbruch genannt, tritt im Bereich des Bauchnabels auf. Er kann angeboren sein oder sich erst im Lauf des Lebens entwickeln. Häufig kann ein Nabelbruch nach Schwangerschaften auftreten.
  • Narbenhernie
    • Narbenhernien (auch Narbenbruch genannt) treten ausschließlich im Bereich von vorausgegangenen Operationen auf. Diese Art von Hernien kann Menschen jedes Alters und Geschlechts betreffen. Die Narbe ist eine Schwachstelle, an der auch viele Jahre nach einer Operation eine Hernie entstehen kann.
Eine Bauchwandhernie hat zunächst keine negativen Auswirkungen. Lediglich ziehende Missempfindungen treten auf. Später macht sich eine Vorwölbung bemerkbar. Wird der Bruch nicht behandelt, vergrößert er sich im Lauf der Zeit und kann dann sogar zur Einklemmung einer Darmschlinge führen. Sollte sich die eingeklemmte Darmschlinge nicht zurückdrücken lassen und es zur Unterbrechung der Durchblutung dieser Schlinge kommen, liegt ein sehr schmerzhafter und lebensbedrohlicher Zustand vor, der die sofortige Operation erfordert. Soweit sollte man es nicht kommen lassen.

Eine Bauchwandhernie heilt niemals von allein. Einzige Ausnahme: die Nabelhernie des Kleinkindes. Hernienbinden (auch Bruchbinden genannt) stellen keine empfehlenswerte Alternative zur Operation dar – im Gegenteil: Wird die Hernie nicht operiert, erweitert sich die Hernienlücke und es kann zu der schon genannten kritischen Situation kommen. Bauchwandhernien sollten deshalb bald nach der Diagnosestellung operiert werden. Um so mehr, da Hernienoperationen nur ein minimales Risiko bergen. Bei der offenen Leistenhernienoperation (Leistenbruchoperation) liegt die Sterblichkeitsrate in Deutschland bei Null Prozent.

Eine Bauchwandhernie kann mit chirurgischem Nahtmaterial vernäht werden. Man spricht dann vom klassischen Verfahren. Die Alternative ist die Versorgung der Hernie mit einem Kunststoffnetz, das so genannte spannungsfreie Verfahren.

Beim klassischen Verfahren werden die vorgestülpten Gewebeanteile zurückgedrängt und die Hernienlücke mit einer Naht verschlossen. Bei diesem Verfahren kann es an der Naht zu Spannungen kommen, die zum einen mehr Schmerzen nach der Operationen verursachen, zum anderen aber die Gefahr erhöht, dass das Gewebe wieder reißt und eine erneute Hernie an der gleichen Stelle entsteht.

Beim spannungsfreien Verfahren ist der Ablauf der Operation im Prinzip ähnlich. Allerdings wird die Hernienlücke mit einem gut verträglichen, flexiblen und flachen oder stöpselförmigen Netz verschlossen. Diese aus speziellem Kunststoff hergestellten Netze werden seit bald 50 Jahren erfolgreich in der Chirurgie eingesetzt und bewirken, dass keine oder nur eine minimale Nahtspannung entsteht.

Neben den zwei Verfahren zum Verschluss der Hernienlücke gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Operationstechniken. Bei beiden Verfahren wird in aller Regel ein Netz in den Körper eingebaut und dadurch der Bruch repariert. Bei der offenen Technik wird die Operation am Ort der Hernie durch einen Hautschnitt ausgeführt. Bei der endoskopischen oder Schlüssellochtechnik werden die chirurgischen Instrumente durch Führungshülsen in den Bauchraum (die Bauchdecke) eingeführt. Es bedarf dazu mehrerer, kleiner Schnitte am Nabel und im Unterbauch.

Die Beschwerden nach einer modern, d.h. in der Regel ambulant durchgeführten Hernienoperation sind gering. Die normale Leistungsfähigkeit des Patienten wird schnell wieder erreicht. Lediglich 2 – 3 Wochen nach einer Leistenhernienoperation (Leistenbruchoperation) sollten Sie sich schonen. Ab der 4., spätestens 5. Woche sind Sie körperlich wieder normal belastbar. Das betrifft auch schweres Heben und Tragen.

Der langfristige Erfolg der Operation wird an der Rate wieder aufgetretener Hernien (Brüche) gemessen. Bei Verwendung moderner Netzmaterialien und unter Einsatz spannungsfreier Operationstechniken ist diese Rate sehr gering. In spezialisierten Zentren liegt sie bei der Leisten- und Nabelhernie unter 1 %. Narbenhernien sind ein eigenständiges Krankheitsbild. Man operiert im voroperierten und damit geschwächten Gewebe. Die Erfolgsraten sind deshalb bei Narbenhernien grundsätzlich geringer.

  • Durch ein abgestuftes, am Befund des jeweiligen Patienten orientiertes Vorgehen und
  • Durch Anwendung der modernen Operationsmethoden

Dabei bevorzugen wir aus grundsätzlichen Überlegungen die offene Vorgehensweise. Unsere Gründe dafür sind:

  • Schlüssellochchirurgie birgt häufiger die Gefahr potentiell bedrohlicher Komplikationen (Darmverletzung, Verletzung größeres Blutgefäß).
  • Vorteile der Schlüssellochchirurgie für den Patienten sind nur in der ersten Woche nach dem Eingriff in einer geringfügig besseren Lebensqualität messbar. Dem steht aber die ausgesprochene Zufriedenheit und Schmerzarmut unserer eigenen Patienten direkt nach der OP gegenüber.
  • Schlüssellochchirurgie ist technisch aufwendig und kostenintensiv. Warum den komplizierten und teueren Weg wählen, wenn das gleiche Ziel einfacher und damit weniger komplikationsträchtig erreicht werden kann?
  • Entscheidend für den Erfolg einer Hernienoperation ist jedoch nicht die Art der Methode oder die Technik, die zur Anwendung kommt, sondern nur Können und Erfahrung Ihres Operateurs.

Quellen: (1) Peitgen K: Trends in der minimal invasiven Hernienchirurgie. Ambul. Chirurgie 2009;2:31-38, (2) Gerhardus A et al.: Vergleich verschiedener chirurgischer Verfahren zur elektiven Leistenhernienoperation bei Erwachsenen – Health Technology Assessment im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung 2003;30, (3) Auszüge aus Flyer Fa. ETHICON „Diagnose Nabel- und Narbenbrüche“ und „Leistenbrüche – Das sollten Sie wissen“, (4) Eigentext